THE AUSTRIAN SCHOOL OF ECONOMICS


HISTORY OF THE WESTERN ECONOMIC THOUGHT: THE AUSTRIAN SCHOOL OF ECONOMICS. PROF. DR. DARCY CARVALHO. FEAUSP. SÃO PAULO. BRAZIL 2019.


The Austrian school of economics .Die-Österreichische Schule der Nationalokonomie

The Austrian school of economics was founded in 1871 with the publication of Carl Menger’s Principles of Economics. MENGER, along with WILLIAm  STANLEY JEVONS   and  LEON   WALRAS,  developed  the  marginalist  revolution  in  economic analysis.  Menger  dedicated  Principles  of  Economics  to  his  German  colleague William  Roscher,  the  leading  figure  in  the  German historical  school,  which dominated economic thinking in German-language countries. In his book, Menger argued  that  economic  analysis  is  universally  applicable  and  that  the  appropriate unit of analysis is man and his choices. These choices, he wrote, are determined by individual subjective preferences and the margin on which decisions are made (see  The Austrian School of Economics by Peter J. Boettke  - Econlib.

https://www.econlib.org/library/Enc/AustrianSchoolofEconomics.html 

The Austrian School of Economics. A History of Its Ideas, Ambassadors, and Institutions by Eugen Maria Schulak and Herbert Unterköfler. Translated by Arlene Oost-Zinner. 

Contents: The Austrian School in Brief . 1 Vienna in the Mid-Nineteenth Century. 2 Economics as an Academic Discipline. 3 The Discovery of the Self: The Theory of Subjective Value .4 The Emergence of the Austrian School in the Methodenstreit. 5 Carl Menger: Founder of the Austrian School.  6 Time is Money: The Austrian Theory of Capital and Interest ,7 Friedrich von Wieser: From Economist to Social Scientist. 8 Eugen von Böhm-Bawerk: Economist, Minister, Aristocrat. 9 Emil Sax: The Recluse from Voloska. 10 Further Students of Menger and Other Supporters. 11 Money Makes the World Go Round: e Monetary Theory of the Business Cycle.

KARL MENGER UND DIE OESTERREICHISCHE SCHULE DER NATIONALÖKONOMIE ANLÄSSLICH DER ENTHÜLLUNG DES DENKMALS AN DER UNIVERSITÄT von Professor Dr. Ludwig Mises. Wien, 29./30. Januar. 1929. K. Menger and the Austrian School of Economics

An dem Tage, an dem im Arkadenhofe der Wiener Universität das Denkmal Karl Mengers enthüllt wird, ziemt es sich wohl, einen Blick auf das Werk zu werfen, das die von Menger begründete Oesterreichische Schule der Nationalökonomie vollbracht hat. Um keinen Nach- ruf für Totes und Vergangenes kann es sich dabei handeln; denn wenn auch die Männer, die es geschaffen haben, dahingeschieden sind, das Werk lebt und wirkt fort, steht auch noch heute unerschüttert da und ist zur Grundlage aller wissenschaftlichen Bestrebungen in der nationalökonomischen Theorie geworden. Kein nationalökonomischer Gedanke kann heute gedacht werden, ohne dass an das angeknüpft wird, was Menger und seine Schule gelehrt haben. Ganz allgemein datiert man von dem ersten wissenschaftlichen Hervortreten  Mengers

– seine Grundsätze der Volkswirtschaftslehre wurden 1871 veröffentlicht – den Anbruch einer neuen Epoche in der Geschichte unserer Wissenschaft.

 An keiner anderen Stätte kann aber der Versuch einem größeren Kreise einen knappen Ueberblick über das Werk der Oesterreichischen Schule der Nationalökonomie zu geben, besser am Platze sein als in den Spalten der Neuen Freien Presse. Denn Karl Menger selbst und alle die Übrigen, die man in engerem oder weiterem Sinne zur älteren Oesterreichischen Schule rechnen mag, Eugen Böhm-Bawerk, Friedrich Wieser, Robert Zuckerkandl, Emil Sax, Robert Meyer, Johann Komorzynski, Rudolf Auspitz, Richard Lieben, haben in der Neuen Freien Presse oft und oft das Wort ergriffen, bald um wirtschaftspolitische Tagesfragen zu besprechen, bald um von den Ergebnissen der theoretischen Forschung Bericht zu erhalten.

 

I.

Den geschichtlichen Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Nationalökonomie bildet die im achtzehnten Jahrhundert durch die Physiokraten in Frankreich und durch die Schotten David Hume und Adam Smith gewonnene Erkenntnis, daß die Preise, Löhne und Zinssätze durch die Lage des Marktes eindeutig oder doch innerhalb enger Grenzen bestimmt sind und daß der Marktpreis als Regulator der Produktion fungiert. Wo man früher nur Zufall und Willkür zu sehen gewohnt war, erkannte man das Walten einer Gesetzmäßigkeit. Die klas- sische Schule der Nationalökonomie, deren Arbeiten in David Ricardos Werk den Gipfel erreichten, machte es sich zur Aufgabe, die Katallaktik, die Lehre vom Tausche und vom Einkommen, zu einem geschlossenen System auszugestalten.

 

Aus den Erkenntnissen, die die theoretische Forschung zutage gefördert hatte, ließen sich wichtige Folgerungen für die Wirtschaftspolitik ziehen. Man begann zu verstehen, daß die Eingriffe, durch die die Regierungen dem Walten der in der Wirtschaft wirkenden Kräfte eine bestimmte Richtung zu geben suchten, das Ziel, das sie erreichen sollten, verfehlen mußten. Die Festlegung eines Höchstpreises kann die Absicht, die billigste Versorgung der Be- völkerung zu sichern, keineswegs erreichen; wird die obrigkeitliche Verfügung wirklich befolgt, dann führt sie zur Einschränkung, wenn nicht zur vollständigen Einstellung der Be-


* Dieser Artikel erschien ursprünglich in zwei Teilen in der Neuen Freien Presse vom 29. und 30. 1. 1929.


schickung des Marktes mit den betroffenen Artikeln, der Eingriff erzielt mithin das Gegen- teil von dem, was er erreichen will. Aehnlich ist es mit der machtpolitischen Regulierung der Löhne und der Zinssätze bestellt und nicht anders steht es mit den Eingriffen in den Verkehr mit dem Auslande. Der Merkantilismus hatte geglaubt, das Gleichgewicht im Außenhandel durch handelspolitische Mittel (Zölle, Verbote und ähnliches mehr) sichern zu müssen, um das Abströmen des Geldes zu verhindern. Ricardo wies nach, daß dieses Gleichgewicht sich automatisch immer wieder herstellt, daß handelspolitische Maßnahmen zum Schutze eines nicht durch Inflation zerrütteten Geldwesens überflüssig sind, das sie anderseits nicht im- stande wären, das durch Inflation bewirkte Niedergleiten der Kaufkraft der Geldeinheit auf- zuhalten. Handelspolitische Schußmaßnahmen lenken dagegen die Produktion von der Aus- nützung der günstigsten natürlichen Produktionsbedingungen ab, vermindern daher die Ergiebigkeit der volkswirtschaftlichen Arbeit und drücken so die Lebenshaltung der Massen herab.

 

In den Augen der klassischen Nationalökonomie erscheint daher der Interventionismus in jedem Belange als sinnwidrig; nicht von Eingriffen der Regierung, die immer nur hindern und hemmen können, sondern von dem freien Regen aller Kräfte erwartet sie fortschreitende Hebung des Wohlstandes aller Schichten. So baut sich auf der Grundlage der Lehren bei klassischen Nationalökonomie das politische Programm des Liberalismus auf, der Freihandel in der innern wie in der auswärtigen Wirtschaftspolitik fordert.

 

Wer gegen dem Liberalismus ankämpfen wollte, der mußte versuchen, diese Schluß- folgerungen zu widerlegen. Das aber war ein Ding der Unmöglichkeit. Der Teil der Lehren der klassischen Nationalökonomie, auf dem sie beruhten, war nicht zu erschüttern. Es gab für Gegner des Liberalismus hier nur einen Ausweg: sie mußten jede mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit ihrer Sätze auftretende Wissenschaft von der gesellschaftlichen Wirt- schaft grundsätzlich ablehnen, wie es die deutsche historische Schule der Staatswissen- schaften tat. Nur Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftsbeschreibung wollte man gelten lassen. Grundsätzliche Untersuchungen über den Zusammenhang der wirtschaftlichen Er- scheinungen erklärt man als „abstrakt“ und „unwissenschaftlich“.

 

Nachdem schon in der Mitte der siebziger Jahre Walter Bagehot, dessen Ruf als National- ökonom auf dem bekannten Buch über den Londoner Geldmarkt, Lombard Street beruht, diese Irrtümer bekämpft hatte, trat 1883 Menger mit seinen Untersuchungen über die Me- thode der Sozialwissenschaften hervor. Die unter der Bezeichnung des Methodenstreites bekannten Erörterungen, die sich an dieses Buch knüpften, haben die logische und method- ische Richtigkeit der vom Historismus gegen die grundsätzliche Möglichkeit allgemeingült- iger Erkenntnis der Wirtschaftsprobleme erhobenen Einwendungen bloßgelegt. In jeder wirt- schaftsgeschichtlichen oder wirtschaftsbeschreibenden Untersuchung müssen sich, wenn auch versteckt, theoretische Begriffe und Sätze finden, deren Allgemeingültigkeit behauptet wird. Ohne Rückgriff auf solche ist es unmöglich, irgend etwas über die Dinge auszusagen. In jeder Aussage über einen Warenpreis, eine Steuer, eine sozialpolitische Maßnahme oder ein Gruppeninteresse muss schon „Theorie“ enthalten sein. Wenn die kathedersozialistische Schule das nicht bemerkt hat, so hat sie darum noch nicht “theoriefrei” gearbeitet. Sie hat nur darauf verzichtet, die Theorien, die sie verwendet hat, vorher auf ihre Richtigkeit zu prüfen, sie bis zu Ende durchzudenken, sie zu einem System zu verknüpfen, um so ihre Wider- spruchslosigkeit und logische Verträglichkeit zu ergründen und vor allem, um sie an den Tatsachen zu verifizieren. Sie hat daher nur an Stelle brauchbarer Theorien, die der Kritik standzuhalten vermögen, unhaltbare, widerspruchsvolle, längst überwundene Irrtümer zu Ausgangspunkten ihre Untersuchungen gemacht und diese dadurch um ihren Ertrag gebracht.


Wirtschaftstheorie treiben heißt eben nichts anderes, als alle Aussagen über wirtschaftliche Dinge mit allen zu Gebote stehenden Mitteln des Denkens auf ihren Gehalt in schärfster Kritik immer wieder prüfen.

 

II.

Das System der klassischen Nationalökonomie hatte es nicht vermocht, das Problem der Preisbildung befriedigend zu lösen. An und für sich hätte naheliegen müssen, die die Grund- lage der Preisgestaltung bildende Bewertung der Güter von ihre Nützlichkeit (Brauchbarkeit zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse) abzuleiten. Da aber bot sich eine besondere Schwierigkeit, die die Klassiker mit all ihrem Scharfsinn nicht bewältigten. Gerade manche der nützlichsten Güter werden niedrig bewertet wie Eisen, Kohle oder Brot oder für wertlos erachtet wie Wasser oder Luft, wogegen zweifellos weniger nützliche wie etwa Edelsteine sehr hoch im Werte stehen. Angesichts des Versagens aller Bemühungen, diese Antinomie zu deuten, entschloß man sich, zu anderen Erklärungen der Werterscheinung zu greifen, die man aber nicht ohne gekünstelte Hilfen widerspruchsfrei durchzudenken vermochte. Irgend etwas stimmte offenbar nicht. Da gelang es Menger in seinem genialen Erstlingswerk, die schein- bare Antinomie des Wertes zu überwinden. Nicht die Bedeutung, die der ganzen Gütergat- tung, sondern die Bedeutung, die dem Teil, über den gerade verfügt wird, zukommt, bestimmt die Wertschätzung. Nicht der Wert der Gütergattung, sondern der der konkreten Teilquantitäten allein wirkt auf die Preisbildung. Da wir jedem einzelnen Teile aus einem gegebenen Vorrat nur die Bedeutung beilegen, die die durch ihn bewirkte Bedürfnisbefried- igung hat, bei jeder einzelnen Bedürfnisgattung aber die Dringlichkeit der weiteren Befriedig- ung mit dem Fortschreiten der Sättigung abnimmt, schätzen wir jede konkrete Teilquantität nach der Wichtigkeit der letzten, das heißt minderwichtigen der konkreten Bedürfnisregung- en ein, die mit dem zur Verfügung stehenden Vorrat noch befriedigt werden kann (Grenznutzen). Die Preisbildung der Güter erster Ordnung, das ist der Güter, die dem unmit- telbaren Gebrauch und Verbrauch dienen, wird so auf die subjektiven Wertschätzungen der Konsumenten zurückgeführt. Die Preisbildung der zur Erzeugung der Gebrauchs- und Ge- nußgüter erforderlichen Güter höherer Ordnung (auch Produktionsmittel oder Kostengüter genannt) einschließlich des Lohnes, des Preises für die Arbeitskraft, ist aus den Preisen der Güter erster Ordnung abgeleitet; in letzter Linie sind es eben die Konsumenten, die die Preise der Produktionsmittel und die Löhne bestimmen und bezahlen. Diese Ableitung im einzelnen durchzuführen, ist Aufgabe der Zurechnungstheorie; sie handelt von den Preisen des Grund und Bodens, von den Löhnen, vom Kapitalzins, vom Unternehmergewinn.

 

Auf den neuen Grundlagen errichteten Menger und seine Nachfolger unter Verwertung der schon von den Klassikern gewonnen Erkenntnisse ein geschlossenes System der Deutung aller wirtschaftlichen Erscheinungen.

 

III.

Ungefähr gleichzeitig mit Menger und unabhängig von ihm hatten der Engländer William Stanley Jevons und der in Lausanne wirkende Franzose Léon Walras ähnliche Lehren vorgetragen. Nachdem die Zeit abgelaufen war, die jeder neue Gedanke benötigt, um sich durchzusetzen, trat die subjektivistische Grenznutzentheorie ihren Siegeszug durch die Welt an. Glücklicher als sein bedeutendster Vorläufer, der preußische Regierungsassessor Gossen, konnte Menger die Anerkennung seiner Lehren durch die Nationalökonomen der ganzen Welt noch erleben.


In den Vereinigten Staaten hat vor allem John Bates Clark, der Begründer der großen Amerikanischen Schule, die Ideen der Oesterreichischen Schule verwertet und ausgestaltet. Clark ist auch – wie Herrn Oswalt in Frankfurt und Richard Reisch – Ehrenmitglied der Wiener Nationalökonomischen Gesellschaft. In den Niederlanden und in den skandinav- ischen Ländern wurde die Lehre frühzeitig fruchtbar. Ganz besonders aber in Italien erblühte auf ihrer Grundlage bald erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit.

 

Eine Schule im gewöhnlichen Sinne des Wortes hat Menger nie gebildet. Er stand zu hoch und dachte von der Würde der Wissenschaft zu groß, um die kleinlichen Mittel zu gebrauch- en, durch die andere sich zu fördern suchen. Er forschte, schrieb und lehrte, und die Besten, die in Oesterreichs Staat und Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten gewirkt haben, sind aus jener Schule hervorgegangen. Im Übrigen wartete er, voll des Optimismus aller Liberalen, daß das Vernünftige sich endlich doch durchsetzen müsse. Und eines Tages standen zwei Gefährten neben ihm, zwei Fortsetzer seines Werkes, die – ein Jahrzehnt jünger als Menger – als reife Männer sich selbst an der Hand seiner Schriften den Weg zu den Problemen erarbeitet hatten. Eugen v. Böhm-Bawerk und Friedrich v. Wieser – gleichen Alters, von Jugend auf befreundet, durch Schwägerschaft verbunden, in Gesinnung, Charakter und Kultur des Geistes nach verwandt und doch als wissenschaftliche Persönlichkeiten so ver- schieden, wie zwei gleichstrebende Zeitgenossen je sein konnten – haben jeder in seiner Weise dort weiterzuarbeiten begonnen, wo Menger stehen geblieben war. In der Geschichte unserer Wissenschaft sind ihre Namen untrennbar mit dem Mengers verbunden.

 

Auch diese beiden haben ihr Wirken und Leben vollendet. Doch ein neues Geschlecht ist nachgerückt, und eine Reihe von ausgezeichneten wissenschaftlichen Untersuchungen, die in den letzten Jahren von Männern, die das dreißigste Jahr noch nicht erreicht haben, veröffent- licht wurden, zeigt, dass Oesterreich sein Vorrecht, eine Heimat strenger nationalökonom- ischer Arbeit zu sein, nicht aufgeben will.

 

IV.

Die kathedersozialistisch-historische Schule der „wirtschaftlichen Staatswissenschaften“ hat sich zunächst durch die kritische und durch die positive Arbeit der österreichischen Schule ebensowenig stören lassen wie die interventionistischen Schulen des Auslandes. Sie fuhren im Bewußtsein der ihnen durch die Regierungen und die politischen Parteien verbürg- ten äußeren Machtstellung fort, auf die ernste theoretische Arbeit geringschätzig hinab- zusehen und unbefangen ihre Lehre von der Allmacht des Staates über die Wirtschaft zu verkünden.

 

Die wirtschaftspolitischen Experimente, die im Kriege und in den ersten Nachkriegsjahren ins Werk gesetzt wurden, haben den Interventionismus und Etatismus an der Spitze getrieb- en. Alles, was da versucht wurde – Höchstpreise, Zwangswirtschaft, Inflation – wirkte sich so aus, wie es die von den Staatsmännern und von den Vertretern der historischen Schule miß- achteten Theoretiker vorausgesagt hatten. Mit Hartnäckigkeit suchten die Gegner der

„abstrakten, lebensfremden österreichischen Wertlehre“ ihren Standpunkt noch eine Zeitlang aufrechtzuerhalten. Wie weit sie in ihrer Verblendung gehen konnten, zeigt zum Beispiel das, daß einer von ihnen, der als Autorität auf dem Gebiete des Geldwesens gefeierte Bankdirek- tor Bendixen, erklären konnte, er halte den Umstand, daß die deutsche Währung während des Krieges im Ausland unterwertig geworden war, für „in gewissem Grade sogar wünschens- wert, weil er uns den Verkauf fremder Effekten zu günstigen Kursen ermöglicht.“


Schließlich mußte sich aber doch ein Umschwung anbahnen. Die Abkehr von der Theo- riefeindschaft der historischen Schule setzte ein. Die jahrzehntelang Vernachlässigung der theoretischen Studien führte dabei zu dem merkwürdigen Ergebnis, daß es heute ein Ausländ- er, der Schwede Cassel, ist, dem die deutsche Oeffentlichkeit die prinzipielle Aufklärung über die Probleme des deutschen Wirtschaftslebens zu danken hat. Cassel zum Beispiel vermittelte den deutschen Zeitungslesern sowohl die Kenntnis der alten, zuerst schon von Ricardo entwickelten Kaufkraftparitätstheorie der Valutenkurse als auch den Hinweis darauf, dass die Arbeitslosigkeit als Dauererscheinung eine notwendige Folge der Lohnpolitik der Gewerkschaften ist. In seinen theoretischen Arbeiten trug Cassel, wenn auch in anderer Ausdrucksform und in mitunter schroffer Betonung einiger, nicht gerade nachahmungswürd- iger Besonderheiten, die Lehren der subjektivistischen Schule vor.

 

Wenn auch Nachzügler der historischen Schule noch immer wieder versuchen, die alte Weise vom Ende oder vom Zusammenbruch der Grenznutzentheorie hervorzuholen, kann man nicht verkennen, dass in die Ausführungen aller jüngeren Volkswirte auch des Deutsch- en Reiches heute Ideen und Gedanken der österreichischen Schule in steigendem Maße eindringen. Das Werk Mengers und seiner Freunde ist zur Grundlage der ganzen modernen nationalökonomischen Wissenschaft geworden.

 

[Quelle: Neue Freie Presse (Wien) Nr. 23123 und Nr. 23124, 29./30. Januar 1929; PDF- Version: www.mises.de]

Buch: Eugen Maria Schulak: Die Wiener Schule der Nationalökonomie.Eine Geschichte ihrer Ideen, Vertreter und Institutionen ... Namen Modern Austrian School of Economics fortgeführt, unter anderem mit ... Gérard Bökenkamp: Eugen Maria Schulak/Herbert Unterköfler, „Die Wiener Schule der Nationalökonomie“ ... In den USA erlebte die Österreichische Schule seit den siebziger Jahren ...

Kurzbeschreibung. Enzyklopädie des Wiener Wissens, Bd. VII. – edition seidengasse

Die Wiener Schule der Nationalökonomie wurde im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts von Carl Menger in Wien begründet und stellt eine bis heute lebendige Lehrtradition dar. Sie nahm maßgeblichen Einfluss auf die Ausbildung und Entwicklung der modernen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Europa, Japan und in den USA. Ihr Forschungsprogramm war von einer erstaunlichen Vielfalt und von durchaus unterschiedlichen Schlussfolgerungen geprägt. Geeint wurden etwa 40 Ökonomen vor allem durch die Überzeugung, dass hinter dem wirtschaftlichen Geschehen als maßgebender Akteur ein subjektiv empfindendes, wertendes und handelndes Individuum steht. Im Rahmen der Wiener Schule wurden bahnbrechende Studien zu wirtschaftlichen Phänomenen wie Wert, Tausch, Preis, Unternehmergewinn oder Zins entwickelt und nach und nach zu einer umfassenden Geld- und Konjunkturtheorie ausgebaut.

Die subjektivistische und individualistische Perspektive der Schule führte zu engagierten Kontroversen mit den Marxisten, der deutschen Historischen Schule und den Vertretern der Planwirtschaft bzw. des Staatsinterventionismus. Bis heute wird diese Tradition – weitgehend als Alternative zum Mainstream – unter dem Namen Modern Austrian School of Economics fortgeführt, unter anderem mit markanten Beiträgen zur Theorie des Geldes, des Kredites und der Finanzmärkte. Ebenso rückten Fragen zum Marktprozess, zum Informations- und Wissensmanagement, zur Rolle des Unternehmertums, zur Wettbewerbs- und Monopoltheorie, zum institutionellen Zwang sowie zu spontanen Ordnungen in den Vordergrund. Der vorliegende Band spürt dieser facettenreichen Tradition, ihren Ideen, ihren Menschen und ihren Institutionen nach.

Rezensionen

Gérard Bökenkamp: Eugen Maria Schulak/Herbert Unterköfler, „Die Wiener Schule der Nationalökonomie“

Neben den dominanten neoklassischen Strömungen der Wirtschaftswissenschaft hält sich zäh eine Schule mit großer wissenschaftsgeschichtlicher Tradition, deren Vertreter die staatliche Eingriffe in die Wirtschaft ablehnen und sich gegen Inflation und das Zentralbank-System aussprechen. Gerade die jüngste Finanzkrise scheint viele ihrer Positionen bestätigt zu haben. Eugen Maria Schulak und Herbert Unterköfler haben eine sehr gut lesbare und für ein breites Publikum verständliche Darstellung der Geschichte und der zentralen Ideen dieser „Österreichischen Schule der Nationalökonomie“ vorgelegt.

Die Kapitel stellen entweder eine Person oder eine Personengruppe oder eine theoretische Position der Wiener Nationalökonomen in den Mittelpunkt. Diese Mischung aus Sammelbiographie und Ideengeschichte ist für ein Einführungswerk glücklich gewählt. Es handelt sich nicht um eine trockene Dogmengeschichte, sondern um ein Buch das Einblicke in Leben und wissenschaftlichen Werdegang der Ökonomen, ihre Ideen und die Abhängigkeit ihres akademischen Erfolgs vom Wissenschaftsbetrieb und historischen Umständen ermöglicht.

Der Band beginnt mit der Beschreibung Wiens im 19. Jahrhunderts, der Entstehung der Nationalökonomie als eigenständiger Disziplin zu dieser Zeit und mit Carl Menger, der vor diesem Hintergrund zum Begründer der neuen ökonomischen Schule wurde. Mengers Revolution des ökonomischen Denkens liegt in der Entdeckung des „subjektiven“ Wertes, die er in seinem 1871 veröffentlichten Buch „Die Grundsätze der Volkswirtschaftslehre“ ausarbeitete. Danach sind Preise nicht der Ausdruck von Produktions- und Arbeitskosten, wie bis dahin allgemein angenommen, sondern des subjektiven Nutzens, den der einzelne diesem Gut zuschreibt.

Menger gewann mit seinen Schülern großen Einfluss auf die Nationalökonomie in der Donaumonarchie, wodurch sich ein Graben zur Nationalökonomie im Deutschen Reich auftat. Diese wurde von Gustav Schmollers „Historischer Schule“ bestimmt, die die Suche nach allgemeinen Gesetzmäßigkeiten in der Wirtschaft zu Gunsten einzelhistorischer Forschungen und der Erarbeitung sozialpolitischer Programme ablehnte. Zwischen Schmoller und Menger kam es aufgrund dieses Gegensatzes zum sogenannten „Methodenstreit“, der neben der inhaltlichen Debatte auch persönliche Polemik zwischen den Protagonisten einschloss.

Mengers Schüler wandten den Ansatz auf andere Bereiche an. Der Ökonom Böhm-Bawerk, der österreichischer Finanzminister wurde, übertrug die subjektive Wertlehre auf die Zinstheorie. Der Zins sei der Ausdruck unterschiedlicher subjektiver Zeitpräferenzen. Ludwig von Mises erarbeitete ein Konjunkturmodell, das in der inflationären Ausweitung der Geldmenge die Ursache von Boomphasen und der anschließenden Depression erfasste. Die Kritik am Marxismus, Sozialismus und zentraler Lenkung war ebenfalls eines der wichtigen Themenfelder, die von der Österreichischen Schule bearbeitet wurden. Nach Böhm-Bawerks Kritik am Marxismus, wies von Mises in seiner „Gemeinwirtschaft“ auf das Kalkulationsproblem im Sozialismus hin: Wo der freie Markt fehle, gäbe es keine Preisbildung und ohne Preisbildung keine Wirtschaftsrechnung.

Die Österreicher standen auch der von der Neoklassik entwickelten Vorstellung eines „Gleichgewichts“ auf dem Markt skeptisch gegenüber und lehnten in ihrer Mehrheit statisch-mathematische Modelle ab. Sie betonten hingegen die Bedeutung der Faktoren Zeit und Unsicherheit und die zentrale Rolle des Unternehmers als Antreiber wirtschaftlicher Dynamik. Joseph Schumpeter stand mit seiner Vorstellung von der „schöpferischen Zerstörung“ und seiner berühmten Beschreibung der Unternehmerpersönlichkeit in der Tradition der Österreichischen Schule, auch wenn er sonst einen sehr individuellen Weg mit Berührungspunkten zum Sozialismus beschritt.

Während einige Vertreter der Schule, wie Ludwig von Mises, die subjektive Wertlehre eng mit den Prinzipien des Liberalismus in Verbindung brachte, lehnten andere diese politischen Konsequenzen ab. Wohl auch deshalb, weil die Menger-Schule eine enge Verbindung mit den Institutionen der Habsburger Monarchie eingegangen war, was zu viel Staatskritik nicht unbedingt als opportun erscheinen ließ. Ihre Vertreter waren leitende Beamte, sogar Minister und dominierten am Vorabend des Ersten Weltkrieges die akademische Lehre. Es gehört zu den Ironien der Geschichte, dass die Subjektive Ökonomie den Höhepunkt ihres Einflusses erreichte, als der Erste Weltkrieg ausbrach, und die Protagonisten dezentraler Märkte Positionen in der Zentralplanung der Kriegswirtschaft einnehmen mussten.

Ludwig von Mises wurde nach dem Ersten Weltkrieg durch sein Privatseminar in der Handelskammer in Wien zur zentralen Figur und zum Motor der Erneuerung der Österreichischen Schule. Gemeinsam mit Friedrich August von Hayek gründete er das Institut für Konjunkturforschung. Die Konzentration auf außeruniversitäre Aktivitäten war notwendig geworden, weil die Menger-Schule nach dem Zusammenbruch der Habsburgmonarchie im universitären Bereich Boden verloren hatte. Unter den neuen Bedingungen erreichte die Schule neuen Glanz. In den dreißiger Jahren geriet die Schule dann in Folge der politischen Umwälzungen in Österreich und des schließlichen Anschlusses 1938 an Hitler-Deutschland unter die Räder der Geschichte. Für die meisten Vertreter hieß dies Lehrverbot oder Exil.

Während eine größere Zahl von österreichischen Ökonomen sich im Ausland auf den neoklassischen Trend hin bewegte, blieben Ludwig von Mises und von Hayek ihrer Linie treu. Hayek verließ allerdings mit seinem Buch „Der Weg in die Knechtschaft“ den eng gesteckten Rahmen der Ökonomie und erweiterte sein Themenspektrum um Rechtsphilosophie, Kulturgeschichte und Psychologie und führte mit dem Begriff der „spontanen Ordnung“ die kulturelle Evolution in das Österreichische Gedankengebäude ein. Durch die Gründung der Mont Pelerin Society, brachte Hayek führende liberale Denker verschiedner Strömungen zusammen. Im Jahr 1974 erhielt er zusammen mit dem schwedischen Ökonomen Gunnar Myrdal den Wirtschafts-Nobelpreis.

In den USA erlebte die Österreichische Schule seit den siebziger Jahren eine Wiederauferstehung. Ludwig von Mises hatte in New York erneut einen Kreis von Schülern um sich gesammelt, zu denen Israel Kirzner und vor allem Murray Rothbard gehörten. Sein Buch „Human Action“, das er 1949 publizierte, wurde ein großer Erfolg. Obwohl Ludwig von Mises den Anarchismus ablehnte, wurde er im Amerika zum Idol der mit dem Anarchismus sympathisierenden staatskritischen „Libertarians“. In vielen anderen Ländern gibt es Lehrstühle oder wenigstens Anhänger im akademischen und publizistischen Bereich.

Die Autoren beschreiben die aktuelle Lage der Österreichischen Schule so: „An der Wende zum dritten Jahrtausend sind die Austrians stärker denn je zuvor bemüht, den Dialog mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream zu intensivieren, Verbündete über Grenzen hinweg zu suchen, sowie sich öffentlichkeitswirksam an ein interessiertes Fachpublikum zu wenden.“ Mit diesem Buch haben Schulak und Unterköfler den Zugang zum Denken der Österreichischen Schule für viele Leser ein wenig leichter gemacht.

(Gérard Bökenkamp, Rezension in: Denken für die Freiheit. Blog des Liberalen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, 21. April 2010)

https://www.bibliothekderprovinz.at/buch/5181/

http://liberalesinstitut.wordpress.com/2010/04/21/die-geschichte-der-osterreichischen-schule-der-nationalokonomie/

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Darcy Carvalho,
27 de mar de 2019 09:12
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Darcy Carvalho,
27 de mar de 2019 09:40
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Darcy Carvalho,
27 de mar de 2019 10:06
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